Spätrömische Höhenbefestigung – Forschungen am Katzenberg

Dr. Angelika Hunold

Forschungsbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte [VAT] des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz/Mayen
(Entnommen aus dem Jahresbrief 2007; für diese Internetfassung wissenschaftlich aktualisiert)

Über 100 Jahre wurde der Katzenberg archäologisch erforscht – soweit es sich um verbürgte und heute noch nachprüfbare Arbeiten handelt. Noch etwas länger liegt es zurück, dass Josef Krämer aus Mayen die Spuren einer spätrömischen Befestigungsanlage auf diesem Schieferkegel an der Nette entdeckte. Erst am 22. August 1949 berichtete ein Artikel in der Rheinland-Pfälzischen Landeszeitung über Krämers erste Untersuchungen auf eigene Faust, begonnen aufgrund der Annahme, diese Bergkuppe müsse „irgendeine Bedeutung in der Vorzeit“ gehabt haben:

Der Katzenberg mit Römerwarte von Süden

„Ich gewann diese Erkenntnis im Jahre 1900 bei einer Schürfung auf der Südseite des Berges und sagte mir, hier haben Menschen gewohnt. Von da an bis 1911 buddelte ich zu meinem Vergnügen, wenn auch meine Behauptungen zunächst ungläubig aufgenommen wurden. Ich ließ aber keine Ruhe und endlich hatte ich den hochverdienten Kenner des Altertums, Prof. Dr. Lehner vom Rheinischen Provinzialmuseum so weit, dass er sich zu der Erkenntnis durchrang, bei diesen Entdeckungen am Katzenberg handele es sich um eine sehr frühe Befestigungsanlage. …“

Josef Krämer sollte Recht behalten. Eine lange Reihe von Feldforschungen nahm damals ihren Anfang, und gewiss ist es seiner Initiative zu verdanken, dass aus dem anfänglichen „Buddeln“ eine systematische archäologische Untersuchung wurde. Krämer war dabei keineswegs nur ein privater Schatzsucher. Er arbeitete mit dem Bonner Provinzialmuseum zusammen und wurde später im jungen Rheinland-Pfalz als Beauftragter des Landeskonservators für die heimischen Bodenfunde tätig.

Wo Krämer die erwähnte „Schürfung“ genau angesetzt hat und welche Funde dabei gemacht wurden, bleibt allerdings offen. Eine systematische Dokumentation, wie sie heute selbstverständlich ist, existierte damals noch nicht. Dies änderte sich jedoch bald: Im Jahr 1904 wurde mit der Gründung des Geschichts- und Altertumsvereins für Mayen und Umgebung (GAV) die Altertumsforschung in der Region auf eine neue Grundlage gestellt.

Schon 1907 nahm sich der neue Verein auch des Katzenbergs an. Das Mayener Fundbuch vermerkt unter der Überschrift „Funde aus der Römerzeit auf dem Südabhang des Katzenbergs“:

„Im August 1907 wurde dort eine Mauer ohne Mörtel, ungefähr 2,50 m lang und 0,60 bis 0,70 m hoch, freigelegt. Ferner fanden sich dort Dachziegel, Bodenplatten und eine Partie Topfscherben, verschiedene Eisenteile, Schloss, Ringe, Nägel, Kettchen usw. und eine Münze von Constantius 337-361“.

Die Funde gingen in die Sammlung des ebenfalls neu gegründeten Eifelmuseums ein. Bei der Mauer dürfte es sich um einen Abschnitt der südlichen Umfassungsmauer gehandelt haben. Mit dieser kleinen Ausgrabung begann die gezielte archäologische Untersuchung der Befestigung.

Noch im selben Jahr wurde auch das Rheinische Provinzialmuseum in Bonn auf den Katzenberg aufmerksam. Das Provinzialmuseum war damals die zuständige staatliche Fachbehörde für archäologische Untersuchungen. Gemeinsam mit dem GAV legte es unter Aufsicht von Joseph Hagen 1907 und 1908 auf der Nord- und Ostseite der Bergkuppe erste Fundamentgräben frei. Das Vorgehen in vielen kleinen Schnitten war für die damalige Zeit sorgfältig und methodisch bemerkenswert. Exakte Zeichnungen der Befunde sind in den Bonner Skizzenbüchern überliefert.

Im Mayener Fundbuch steht dazu:

„Spätrömischer Festungsgraben auf dem Katzenberg. Im Jahre 1907 und 1908 wurde auf dem Katzenberg ein Spitzgraben aufgedeckt. Außer vielen spätrömischen Scherben wurden dort drei Pfeilspitzen, Hammer, Haken, Schloss?, Schmuckstück und Fibel mit Emaileinlagen aus Bronze und Münzen von Zeit Constantins gefunden.

Geschossbolzen aus der spätrömischen Befestigung

Die Funde sind im Museum unter Nr. 186 in der Sammlung. Münzen: ein Stück Constantin d. Gr., ein Urbs Roma, zwei Constantius, ein Constantin jun. Auch wurde dort eine Wohnstätte aus der Steinzeit (Untergrombacher Periode) aufgedeckt. Es wurden dort Steinwerkzeuge, Feuersteine, Hirschzacken und zwei Muscheln gefunden. Die Funde kamen nach Bonn ins Provinzial Museum.“

Die römischen Funde gelangten also in das Eifelmuseum; ein Großteil von ihnen ist noch heute erhalten. Bei den damals als „Pfeilspitzen“ bezeichneten Stücken handelt es sich um Geschossbolzen, wie sie zum militärischen Ausrüstungsbestand der spätrömischen Zeit gehören. Gerade solche Funde sind für die heutige Interpretation der Anlage von Bedeutung, weil sie die militärische Nutzung des Katzenbergs unterstützen.

Mit dieser Notiz im Fundbuch endet die Berichterstattung durch den Geschichts- und Altertumsverein weitgehend. Die Untersuchung des Katzenbergs ging nun zunehmend in die Hände der staatlichen Facharchäologie über. Insgesamt wurden im Laufe der Forschung 247 Grabungsschnitte angelegt.

Im Bericht des Provinzialmuseums von 1910 wird die Anlage als „spätrömische Niederlassung“ beschrieben. Hans Lehner erkannte bereits damals einen Zusammenhang mit den politischen und militärischen Veränderungen des 4. Jahrhunderts:

Befestigung mit zwei Wachtürmen

„… Aus dem Tal der Nette steigt … schroff der Schieferkegel des Katzenberges empor, auf dessen Höhe durch den Altertumsverein Mayen eine spätrömische Niederlassung festgestellt wurde. Die Untersuchung dieser Niederlassung wurde vom Provinzialmuseum und dem genannten Verein weitergeführt, und es fand sich, dass der Katzenberg auf halber Höhe von einem Spitzgraben umgeben war, der, in den Fels eingehauen, fast den ganzen Berg umgab. Nur an den schroffsten Stellen scheint man auf seine Anlage verzichtet zu haben. Scherben und Münzen aus der Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. beweisen, dass diese befestigte Station der spätrömischen Zeit angehört. Sie dürfte wohl zur selben Zeit entstanden und demselben Bedürfnis nach Schutz gegen die sich mehrenden Germaneneinfälle entsprungen sein, wie die spätrömischen Straßen- und Ortsfestungen, die an verschiedenen Stellen der Eifel und des Hunsrücks (Bitburg, Jünkerath, Neumagen) bekannt geworden sind. …“ (Beilage Bonner Jahrbücher 119, 1910, 73).

Die Erklärung durch „Germaneneinfälle“, wie sie der Bericht von 1910 formulierte, entspricht allerdings nicht mehr vollständig dem heutigen Forschungsstand. Die spätrömische Militärarchitektur wird heute stärker im Zusammenhang mit den umfassenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Veränderungen des 3. und 4. Jahrhunderts betrachtet. Höhenbefestigungen waren nicht einfach versteckte Zufluchtsorte, sondern konnten Teil eines überregionalen militärischen Systems sein.

Trotz der guten Zusammenarbeit folgte aus heute nicht vollständig bekannten Gründen eine längere Unterbrechung der Arbeiten. Erst im Sommer 1919 setzte das Provinzialmuseum die Ausgrabung fort – mit Josef Krämer als Vorarbeiter. Im ersten Jahr gelang es, wesentliche Bestandteile der äußeren Umwehrung aufzufinden: Zu dem ersten, inneren Fundamentgraben kam ein zweiter, äußerer hinzu, sodass im Nordosten zwei ineinander gestaffelte Mauern festgestellt werden konnten.

Innerer Fundamentgraben auf dem Plateau des Katzenbergs

Im Inneren, auf dem höchsten Punkt der Bergkuppe, fanden sich Spuren eines rechteckigen Gebäudes, das zunächst als Wachstation angesprochen wurde. Die örtliche Presse war begeistert und begleitete die Grabung mit großem Interesse.

„… Recht sonderbar mutet uns seit einigen Wochen der sonst so malerisch sich darbietende Katzenberg an. Helle Streifen, von allen Seiten weithin sichtbar, durchqueren die spärliche Bewachsung dieses Schieferkegels. Der Spaten des Geschichtsforschers hat nämlich angesetzt und leistet für die Ergründung der Heimatkunde Mayens schätzenswerte Dienste. … Es handelt sich um eine Befestigungsanlage aus spätrömischer Zeit … Sämtliche … Anlagen sind soweit freigelegt, dass auch der Laie sich ein Bild von der einstigen Befestigungsart machen kann. …“

Teil der südlichen Umfassungsmauer des Katzenbergs

Im Lauf des Sommers kam schließlich auch im Süden, über dem Nettetal, eine gut erhaltene Mauer zum Vorschein, flankiert und verstärkt durch zwei Rundtürme.

„… Diesmal handelt es sich um den direkt nach der Nette zu abfallenden Abhang des Katzenberges… Hier sind wir in dem neu entdeckten Festungsgebiet angelangt und stehen mitten in einem spätrömischen Kastell. Ein Blick nach Krechels- und Kirchers-Mühle hinüber lässt uns bald den Zweck der ganzen Anlage erkennen: Verteidigung des Netteüberganges und der durch die Schlucht zwischen den beiden genannten Mühlen zur Römerzeit führenden Wege…“

Die Grabungen der zwanziger und dreißiger Jahre führten zu einer immer genaueren Vorstellung von der Anlage. Neben der Umfassungsmauer wurden im Inneren zahlreiche kleinere Gebäude und Terrassen festgestellt. Gleichzeitig zeigten sich immer wieder Spuren einer viel älteren Besiedlung, unter anderem aus der Jungsteinzeit.

1931 und 1932 wurden erneut Grabungen aufgenommen. Zum ersten Mal wurde ein Höhenschichtenplan des Katzenbergs gezeichnet. Die Ausgrabungen zeigten, wie eng die Befestigung mit den natürlichen Gegebenheiten der Bergkuppe verbunden war.

Der Katzenberg aus der Luft

Viele Details der Befestigung konnten 1931 und 1932 genauer untersucht werden. Die Fassade der Südmauer wurde komplett freigelegt, ebenso die beiden Türme. Den höher gelegenen, direkt in die Mauer eingebauten Turm grub man auch innen vollständig aus. Er war damals gut erhalten und besaß noch einen Eingang mit Türwange.

„… Am Katzenberg bei Mayen, auf dem sich gegen Ende der Römerherrschaft eine befestigte römische Warte befand, wurden vom Provinzialmuseum Bonn römische Gräben und Mauern, die durch zwei Rundtürme verstärkt waren, ausgegraben. Der Geschichts- und Altertumsverein hat die Wiederherstellung beider Türme beschlossen. Mit dem Ausbau des höher gelegenen Turmes ist bereits begonnen worden…“

Die Idee der Konservierung war also schon damals lebendig. Als der Turm 1998 erneut freigelegt wurde, war von einem begonnenen Ausbau allerdings nichts mehr zu erkennen.

Mit der Grabungskampagne von 1932 endete die intensive Ausgrabungstätigkeit des Rheinischen Provinzialmuseums Bonn am Katzenberg. Danach blieb der Platz jahrzehntelang weitgehend unerforscht.

Am 26. April 1965 besichtigte Hans Eiden den Katzenberg. In seinem Reisebericht schildert er eine Veränderung an der Südwestflanke:

„An der Westseite der spätrömischen Befestigung auf dem Katzenberg ist in halber Hanghöhe auf einer Terrasse … das gesamte Erdreich über dem darunter liegenden Basaltgestein weggedrückt worden im Zuge der weiteren Ausdehnung des dort seit Jahren in Betrieb befindlichen Basaltsteinbruches. … Bei den Erdbewegungen sind zweifellos vorgeschichtliche und römische Kulturschichten entfernt worden. …“

Eiden beobachtete hier Arbeiten am Rand des damals betriebenen Steinbruchs. Spätere Untersuchungen zeigten allerdings, dass an dieser konkreten Stelle keine Mauer oder Bebauung nachgewiesen werden konnte.

Ein zweites Mal besuchte Eiden den Katzenberg am 24. September 1975. Bei dieser Begehung galt sein Augenmerk dem Gesamtzustand der Anlage. Die damaligen Beobachtungen sind für die heutige Forschung wichtig, weil sie einen Zustand des Geländes dokumentieren, der später durch Vegetation und Veränderungen am Berg nicht mehr in gleicher Weise sichtbar war.

Die Befestigung des Katzenbergs von Westen

Mit dem Vulkanpark-Projekt rückte ab 1996 die Idee in den Vordergrund, Nachgrabungen am Katzenberg zu unternehmen. Die alten Pläne sollten überprüft und die Befestigung für Besucher anschaulich erschlossen werden.

Die Höhenbefestigung auf dem Katzenberg

Im Frühjahr 1997 startete eine Begehung des Geländes. Beim Absuchen der steilen Hänge fiel unter dem Dickicht eine Stelle auf, an der die Schichtung des Schieferfelsens nicht natürlich verlief. Einzelne nebeneinander gesetzte Schieferplatten waren zu erkennen. Der Turm an der Südostecke der Befestigung war gefunden – künftig hieß er Turm 1.

So begannen im August 1997 nach 65 Jahren erstmals wieder Ausgrabungen am Katzenberg. Ausführende waren der Forschungsbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz/Mayen, die Vulkanpark GmbH und die Stadt Mayen im Auftrag der damaligen Landesarchäologie.

Bis 2001 konnten in mehreren Grabungskampagnen insgesamt 35 Schnitte und Untersuchungsflächen angelegt werden. Die Arbeit der Vorgänger erwies sich als wertvolle Grundlage. Ihre Vermessungen und Pläne waren erstaunlich genau. Gleichzeitig zeigte sich, dass die damaligen Interpretationen nicht in jedem Fall mit den Ergebnissen der modernen Forschung übereinstimmen.

Zum Glück waren noch genügend unberührte Befunde erhalten. Das beste Beispiel dafür ist Turm 1. Der Turm war von außen bereits freigelegt worden, sein Inneres lag jedoch noch unter einer schützenden Schuttschicht. Dadurch konnten Baudetails der Wände, Verputzreste, ein Estrichfußboden und ein Eingang mit gepflastertem Vorplatz untersucht werden.

Eine Analyse der Schieferreste zeigte, dass der verwendete Dachschiefer aus dem regionalen Mayener Schieferrevier stammte. Damit verbindet sich die Befestigung unmittelbar mit der lokalen Rohstoffwirtschaft.

Grafische Rekonstruktion von Turm 2

Das am besten erhaltene Mauerstück auf der Südseite mit Turm 2 entzog sich zunächst der Auffindung. Ursache war eine mächtige moderne Schuttschicht. Darunter kam jedoch intaktes antikes Mauerwerk zum Vorschein.

Die Bergkuppe wurde großflächig untersucht, um die Wachstation und ihre Umgebung besser zu erfassen. In den in den Fels eingearbeiteten Bereichen und auf den kleinen Terrassen fanden sich zahlreiche Münzen, Schmuckanhänger, Keramikfragmente und weitere Gegenstände. Die Befunde zeigen, dass hier über längere Zeit eine kleine, aber intensiv genutzte militärische Siedlung bestand.

Wachstation mit Nebengebäuden auf dem Katzenberg

Die Wachstation selbst hielt eine besondere Überraschung bereit. Obwohl von dem Gebäude nur noch geringe Fundamentspuren erhalten waren, ließ sich feststellen, dass es beheizbar war.

Reste der Fußbodenheizung der Wachstation

Das Gebäude besaß eine Fußbodenheizung. Das ist für die Interpretation der Anlage besonders interessant: Die Wachstation war damit nicht lediglich ein kurzfristig aufgesuchter Aussichtspunkt. Die bauliche Ausstattung spricht vielmehr für eine dauerhafte oder zumindest längerfristige Nutzung durch eine Besatzung.

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten, dass die archäologische Substanz für eine öffentliche Präsentation des Katzenbergs ausreichte. Die Verantwortlichen entschieden sich für eine Rekonstruktion der Südmauer mit den beiden Türmen im Maßstab 1:1.

Dabei muss zwischen unmittelbar nachgewiesenen Details und wissenschaftlich begründeten Ergänzungen unterschieden werden. Für Mauerhöhe, Wehrgang, Fenster und einzelne Bauelemente gab es nicht überall direkte archäologische Belege. Hier mussten Vergleiche mit anderen spätantiken Befestigungen und zeitgenössischen Quellen herangezogen werden.

Besonders gut dokumentiert war dagegen die Dachkonstruktion. Die erhaltenen Dachschiefer aus Turm 1 ermöglichten eine wesentlich konkretere Rekonstruktion.

Im Februar 2000 konnte der erste Spatenstich für den Nachbau erfolgen. 2002 wurde ein erster Rundweg mit Informationstafeln eingeweiht. 2004 folgte durch die Initiative der Firma Rathscheck Schiefer ein Schutzbau über dem Fundament der Wachstation mit weiteren Informationstafeln sowie einem erweiterten Wegenetz.

Heute ist der Katzenberg eine der wichtigsten archäologischen Stationen des Vulkanparks. Ein rund 70 Meter langes Teilstück der Befestigung mit zwei Türmen ist auf den originalen Mauerresten rekonstruiert. Auf der Bergkuppe wird die ehemalige Wachstation durch einen Schutzbau sichtbar gemacht.

Was aber tun Archäologen, wenn die Ausgrabung abgeschlossen ist? Nun zeigt sich, wie gut die Dokumentation ist, die während der Arbeiten im Gelände angefertigt wurde: Zeichnungen, Fotos, Pläne, Tagebücher, Fundzettel und Fundkisten werden ausgewertet. Sie sind die Grundlage für alle Informationen, die aus einer Grabung gewonnen werden können.

Der Katzenberg nach dem heutigen Forschungsstand

Die Forschungen haben das Bild des Katzenbergs seit dem ursprünglichen Jahresbrief von 2007 deutlich präzisiert. Besonders wichtig ist die umfassende Untersuchung von Angelika Hunold, die die Ergebnisse der Grabungen von 1907 bis 2001 mit der Erforschung zahlreicher weiterer spätrömischer Höhenbefestigungen in Nordgallien verbindet.

Danach bestand auf dem Katzenberg etwa von 300 n. Chr. bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts eine militärische Befestigung. Sie gehört damit zu den großen spätrömischen Höhenbefestigungen des nordgallischen Raumes. Ihre Aufgabe lässt sich nicht auf eine einzige Funktion reduzieren. Die Anlage war Teil einer militärisch gesicherten Landschaft und stand zugleich in engem Zusammenhang mit dem Wirtschafts- und Verkehrsraum von Mayen.

Besonders wichtig ist die Neubewertung der früher häufig verwendeten Bezeichnung „Fliehburg“. Eine Funktion als Zufluchtsort in Krisenzeiten kann nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Die archäologischen Befunde sprechen jedoch deutlich dafür, dass der Katzenberg zunächst und vor allem als Militäranlage zu verstehen ist. Die Befestigung war nicht als versteckter Rückzugsort abseits der Verkehrswege angelegt. Vielmehr orientieren sich die spätrömischen Höhenbefestigungen häufig an wichtigen Verkehrsverbindungen und waren in ein übergeordnetes Verteidigungskonzept eingebunden.

Der Standort des Katzenbergs war dafür besonders geeignet. Von der Bergkuppe aus ließ sich das Nettetal weit überblicken. Die Lage ermöglichte die Beobachtung wichtiger Verkehrsverbindungen und bot zugleich eine starke natürliche Verteidigungsposition. Die Türme und Mauern verstärkten diese natürlichen Vorteile.

Die Wachstation auf der Bergkuppe ist in diesem Zusammenhang besonders aussagekräftig. Ihre bauliche Ausstattung mit einer Fußbodenheizung spricht gegen die Vorstellung eines nur gelegentlich besetzten Aussichtspunktes. Vielmehr ist von einer dauerhaften oder zumindest längerfristigen militärischen Präsenz auszugehen.

Die Größe und Ausstattung des Katzenbergs sind zudem nur im Zusammenhang mit der außergewöhnlichen wirtschaftlichen Bedeutung Mayens zu verstehen. Mayen war ein bedeutender Produktionsstandort. Besonders die Verarbeitung von vulkanischem Gestein zu Mühlsteinen und die Keramikproduktion hatten überregionale Bedeutung. Auch in der Spätantike blieb Mayen ein wichtiger Wirtschaftsstandort.

Die militärische Sicherung des Katzenbergs kann deshalb als Teil des Schutzes dieser Wirtschaftslandschaft verstanden werden. Die Befestigung sollte nicht lediglich einen einzelnen Berg sichern. Sie war vielmehr in eine Landschaft eingebunden, in der Produktion, Siedlungen, Verkehrswege und militärische Einrichtungen miteinander verbunden waren.

In diesem Zusammenhang sind auch weitere spätrömische Höhenbefestigungen der Eifel und des Hunsrücks von Bedeutung. Die ältere Forschung sprach teilweise von einer „Nette-Kette“. Heute lässt sich vorsichtiger formulieren: Mehrere Befestigungen lagen in räumlicher Nähe zueinander und konnten miteinander kommunizieren beziehungsweise Verkehrswege und Landschaftsräume überwachen. Der Begriff „Nette-Kette“ ist daher als moderne anschauliche Bezeichnung zu verstehen.

Die spätrömischen Befestigungen im Raum des Nettetals

Die frühere Vorstellung, die Befestigungen seien in erster Linie als Reaktion auf einzelne „Germaneneinfälle“ entstanden, greift daher zu kurz. Die spätantike Entwicklung war komplexer. Im 3. und 4. Jahrhundert veränderten sich politische Strukturen, Grenzsicherung, militärische Organisation und Wirtschaftsbeziehungen des Römischen Reiches grundlegend. Höhenbefestigungen waren eines von mehreren Elementen einer zunehmend gestaffelten militärischen Sicherung.

Auch die Nutzungsdauer des Katzenbergs ist heute genauer zu fassen. Die Befestigung entstand um 300 n. Chr. und wurde nicht lediglich wenige Jahrzehnte genutzt. Die archäologischen Untersuchungen sprechen für eine Nutzung bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts.

Ob die Anlage am Ende ihrer Nutzung gewaltsam zerstört oder von der Besatzung nach und nach aufgegeben wurde, lässt sich nicht mit der Sicherheit beantworten, die ältere Darstellungen manchmal suggerieren. Konkrete Kämpfe zwischen Römern und Franken auf dem Katzenberg sind archäologisch nicht eindeutig nachgewiesen.

Neben der spätrömischen Befestigung bleibt die vorgeschichtliche Besiedlung des Katzenbergs von großer Bedeutung. Funde aus der Jungsteinzeit zeigen, dass der Berg schon Jahrtausende vor der römischen Befestigung genutzt wurde.

Was bleibt?