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Dr. Klaus Breitbach berichtet über seine Schulzeit in Mayen von 1951 – 1960.

Erinnerungen an meine Schulzeit am Neusprachlichen Kreisgymnasium Mayen 1951 – 1960


Meine Name ist Klaus Breitbach. Ich bin am 19.11.1940 in Kottenheim geboren und wurde Ostern 1946 in der dortigen Volksschule eingeschult. Unsere Klasse umfasste annähernd 60 Kinder. Wie meine beiden Brüder bekam auch ich die Chance, das Gymnasium zu besuchen. Unseren Eltern ist das hoch anzurechnen, denn man musste damals noch Schulgeld bezahlen. Auch wenn es Geschwisterermäßigung gab, hat es unsere Eltern, insbesondere in den ersten Nachkriegsjahren, belastet. Von den Kottenheimer Volksschülern waren damals nur wenige, die aufs Gymnasium gingen. Als quasi „Kannkind“ bin ich erst nach dem fünften Schuljahr zum Gymnasium nach Mayen gewechselt. Mein erster Schultag ist vermutlich der 9. April 1951 gewesen. Vorher hatte ich noch eine Aufnahmeprüfung abzulegen. Mein Vater jagte mir einen Schreck ein, als er mir sagte, ich sei durchgefallen. Auf sein Dementi folgte große Erleichterung. Aus meiner Volksschulklasse begleiteten mich Alfred Kleff und Gisela Franzen. Hinzu kam Walter Wössner aus der 4. Klasse. Helmut Kollig war ein Jahr vor mir zum Gymnasium gewechselt, machte aber mit mir zusammen Abitur, weil er eine Klasse wiederholte. Mein Jahrgang war so stark, dass zwei Klassen à ca. 40 Schüler gebildet werden mussten. Ich kam mit Alfred und Walter in die Sexta A, in eine reine Jungenklasse, und Gisela in die gemischte Sexta B.

Kottenheimer Bahnhof, kaum verändert seit meiner Schulzeit

Wie mein Vater, der am Landratsamt beschäftigt war, bin ich mit dem Zug zur Schule gefahren. In Kottenheim hatte ich einen km zum Bahnhof und in Mayen ebenfalls einen km vom Ostbahnhof zum Gymnasium. Dass ich auch im Alter noch gut zu Fuß bin, führe ich darauf zurück, dass ich in meiner Jugend täglich und regelmäßig 4 km gelaufen bin.

Personenzug bei Kottenheim

Die Eisenbahnzüge von damals waren noch von Dampflokomotiven gezogen. Erst Jahre später wurden Triebwagen mit Dieselantrieb eingesetzt. Damals gab es noch drei verschiedene Klassen. Wir Schüler hatten eine Monatskarte 3. Klasse.

Innenausstattung der Holzklasse

Die Sitzbänke waren aus Holz, siehe Abbildung. Da der Zug von Kottenheim bis Mayen nur knapp fünf Minuten brauchte, konnte uns das egal sein.

In den ersten vier Klassen habe ich kaum Hausaufgaben gemacht. Ich nutzte die kurze Fahrzeit, um von meinen Mitfahrschülern noch etwas abzuschreiben. Dass ich damals so gut wie keine französischen Vokabeln auswendig lernte, habe ich später bedauert; denn je jünger, umso besser prägt man sich diese ein. Da manche Klassenkameraden hochdeutsch und andere wiederum Platt sprachen, hatte ich anfangs Schwierigkeiten, wie ich mich verhalten sollte. Herauskam manchmal ein „Hochdeutsch mit Streifen“.
An zwei Tagen hatten wir nur 4 statt 6 Stunden – es fielen auch mal Stunden aus. Da der nächste Zug Richtung Andernach erst um ein Uhr fuhr, bin ich an solchen Tagen des Öfteren über das Grubenfeld nach Hause gegangen. Für die 3,2 km brauchte ich etwa eine 3/4 Stunde, also nur eine Viertelstunde mehr, als ich bei Benutzung des Zuges hätte laufen müssen.

Der Weg begann in der Nähe des Ostbahnhofs. Ich habe heute noch das Klingen der Steinmetzhämmer im Ohr, das mich auf dem Weg begleitete. Dieser Weg, der an Gruben und Unterständen der Steinhauer vorbeiführte, besteht heute nicht mehr. Nach dem Niedergang der Steinindustrie wurde das Gebiet umgestaltet, teils wurde Industrie angesiedelt, teils ist alles überwuchert.

Das Mayener Gymnasium (1954)

Wenn ich nicht zu Fuß nach Hause ging, habe ich an den Tagen mit nur vier Unterrichtsstunden mit den Schulkameraden auf dem Schulhof Fußball gespielt. Wir spielten damals mit kleinen Bällen, etwa 7 cm im Durchmesser. Das Mayener Gymnasium war zu meiner Zeit in den alten Gebäuden in der St.-Veit-Straße untergebracht; erst 1963 erfolgte der Umzug in den Neubau „Am Knüppchen“. Das Gymnasium hatte 12 Klassen und 390 Schüler. Direktor war Dr. Peter Brodmühler (1887-1966), ein liebenswürdiger Mann von kleiner Statur, der durch ausgeprägte Augenbrauen auffiel. Er ging in den Ruhestand, als ich Sextaner war.

Oberstudiendirektor Dr. Josef Kreuzberg

1953 wurde Dr. Josef Kreuzberg (1908-1984) Direktor. Er kam aus Boppard und war Autor unserer Französischbücher „Français Moderne“. Durch seine äußere Erscheinung und sein Auftreten nötigte er uns größten Respekt ab. Wenn man ihm auf der Straße begegnete und ihn grüßte, zog er selbst vor dem kleinsten Sextaner den Hut.

In der Sexta hatten wir 9 Fächer (Religion, Deutsch, Französisch, Erdkunde, Mathematik, Biologie, Zeichnen, Musik und Turnen). Da unsere Region bis 1949 der „Französischen Zone“ angehörte und vielleicht auch wegen der Nähe zu Frankreich, war unsere erste Sprache Französisch. Nach zwei Jahren, ab Quarta, kam Latein hinzu und erst ab Obertertia (5. Klasse) bekamen wir auch Englischunterricht. Das Schuljahr bestand anfangs aus drei Jahresdrittel, so dass wir vor den Sommerferien, vor Weihnachten und vor Ostern Zeugnisse bekamen. Die Bewertung erfolgte nach Punkten von 0 bis 20. In den ersten beiden Jahren war Lise-Lotte Holbeck (1906-2006) unsere Klassenlehrerin. Sie wurde „Püppchen“ genannt, weil sie klein war und ein Puppengesicht hatte. Auffallend war ihr großer Busen. Bei ihr lernten wir das Singspiel „ Trois jeunes tambours s’en revenant de guerre… Et ri et ran, ran pa ta plan“ aufzuführen und hatten unseren Spaß dabei. Die nächsten zwei Jahre war der Physik-, Mathematik- und Turnlehrer Helmut Seidel unser Klassenlehrer. Sein Sohn Ingo begleitete mich bis zum Abitur. Wenn Diethelm Brock den Klimmzug nicht schaffte, forderte Seidel ihn auf: „Musst mehr Würschtel essen!“ Ab Obertertia wurde Otto Reh (1923-2018) unser Klassenlehrer und blieb es bis zum Abitur. Während der ganzen Schulzeit fanden regelmäßig Wandertage statt, bei denen ziemliche Strecken zu Fuß zurückgelegt wurden. Die ersten Ausflüge blieben ziemlich in der Nähe; z.B. ging eine Wanderung durch den Mayener Wald. Später wurde z. B. die heute nicht mehr bestehende Zugverbindung Mayen-Koblenz genutzt, um ins Maifeld oder direkt nach Münstermaifeld zu gelangen und von dort aus Wanderungen nach Burg Eltz oder an die Mosel zu unternehmen.
Erst in der Obertertia erwachte mein Interesse an dem, was wir lernten. Ich begann, meine Hausaufgaben regelmäßig zu machen und die aufgegebenen Vokabeln und Texte auswendig zu lernen.

Das Auswendiglernen wurde damals als wichtig angesehen. Wenn ich es von heute aus betrachte, hat es nicht nur das Gedächtnis, sondern auch das sprachliche Einfühlungsvermögen geschult. Schon ab Sexta gab uns unser Musiklehrer Johannes Will auf, Liedtexte mit allen Strophen auswendig zu lernen, die er dann auch abhörte. Will hatte, wie auch Otto Reh, ein Glasauge. Wir freuten uns immer, wenn Will als Vertretung einsprang; denn er konnte aus dem Stegreif spannende Geschichten erzählen, z.B. „Das rote U“. Dass wir Latein- und Französisch-Vokabeln lernten, dafür sorgten der gestrenge Lateinlehrer Herzig und das weniger gestrenge „Püppchen“ Lise-Lotte Holbeck. Natürlich mussten wir auch Gedichte, Balladen und mittelalterliche Texte aufsagen können. Der resoluten Frau Dr. Aenne Witsch gefiel es nicht, als ich allzu emphatisch vortrug: „Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort Erlkönigs Döschter am düschteren Ort ?“ Auch Heine habe ich malträtiert, indem ich „Belsazar“ ein „Abendmahl“ anstatt ein „Königsmahl“ halten ließ. Otto Reh ließ uns eine ganze Metamorphose von Ovid auf Latein auswendig lernen. Eigenartigerweise sind mir die mittelalterlichen Gedichte wie z.B. „Ich saß uf einem steine und dahte bein mit beine…“ am stärksten im Gedächtnis haften geblieben.

Die Obertertia war eine fürchterliche Klasse. Man versuchte, die Lehrer, die am wenigsten Autorität besaßen, bis zum „Geht-nicht-mehr“ zu triezen. Am meisten hatte unser Geographielehrer Friedrich Nettesheim darunter zu leiden. Dieses mir unangenehme Rabaukentum legte sich in der Untersekunda, denn das Schuljahr 1956/57 sollte mit der Mittleren Reife erfolgreich abgeschlossen werden. In jenem Jahr versäumte ich wegen Krankheit 248 Stunden und habe sechs Wochen im Krankenhaus verbringen müssen. Mein Schulfreund Wolfgang Nieländer, der in der Nähe des Krankenhauses wohnte, besuchte mich regelmäßig und hielt mich über das Schulgeschehen auf dem Laufenden.

Die Untersekunda war die Jahrgangsstufe, die mit der mittleren Reife abschloss. Nicht nur die Lehrer, sondern auch wir mussten uns daran gewöhnen, dass wir nun gesiezt wurden, obwohl manche von uns noch nicht einmal 16 waren. Reh ist bis zuletzt beim Du geblieben, was wir eher als wohltuend empfanden. Da mehrere Klassenkameraden mit der Mittleren Reife die Schule verließen, weil sie andere Berufsziele hatten, fand zum Abschied im September 1956 eine viertägige Klassenfahrt nach Trier statt.

Klassenlehrer Otto Reh (1924 – 2018)

Für Klassenlehrer Otto Reh, der aus Konz stammte, war es ein Heimspiel. Zu Verstärkung nahm Reh Dr. Alois Bauer mit, der uns in den unteren Klassen in Biologie und Rechnen unterrichtet hatte. Bauer nahm seinen Job sehr locker und kam wohl deswegen bei uns Jungen gut an. Wir übernachteten in der Martinsmühle, wo der Ruderverein untergebracht war. Die Martinsmühle, moselaufwärts neben der Kaiser-Wilhelm-Brücke gelegen, besteht heute nicht mehr. Die Mosel war noch nicht kanalisiert und der Nebenarm, der zwischen Martinsmühle und Pferdeinsel floss und wo auch die Boote zu Wasser gelassen wurden, war seicht, so dass man fast hindurchwaten konnte. Wir übernachteten alle in einem großen Saal, der zu einer Kopfkissenschlacht und allerlei Schabernack verleitete.

Am 28. März 1957 fand in der „Traube“ am Marktplatz ein Abschlussfest der 28 „Frischgebackenen“ statt. Aus diesem Anlass wurde eine 42-seitige Bierzeitung herausgegeben, zu der jeder etwas beigesteuert hat. In Gedichtform wurden die wichtigsten Lehrer und die Schüler aufs Korn genommen. Kreuzberg wurde als Zirkusdirektor dargestellt. Bei unserem Klassenlehrer Otto Reh hatten wir Deutsch und Geschichte, in der Oberstufe löste er Heinz Grimsehl in Latein ab. Er wurde mit den Worten gelobt: „Er ist fürwahr ein guter Mann, den jeder von uns leiden kann.“ Evangelische Religion gab Pfarrer Johannes Kickhefel und Katholisch Lehrer war Stephan Brosius, der schon mal voller Zorn ausrasten konnte. Bei Musikdirektor Johannes Will hieß es: „sehr hoch ward er angesehen“. Der Kunstunterricht fand in einer Steinbaracke statt, die an an den hinteren Teil des Schulhofs angrenzte. Dort lehrte uns Studienrat Josef Dieck, wie man Figuren aus Dreiecken darstellen kann. Aus Fliesen und Scherben stellten wir mit der Kneifzange Mosaiksteinchen her, die zu Mosaiken zusammengefügt wurden. Ich habe einen Blumenständer und ein Kreuz angefertigt, das ich in die Wand unserer Wohnküche einsetzte.

Englischlehrer Ewald Keul

Physiklehrer Herbert Guckenbiehl, Französischlehrerin Irmgard Meshing und Englischlehrer Ewald Keul kamen gut davon. Ich muss allerdings reklamieren, dass man bei Fräulein Meshing eine Antwort oder Bemerkung nicht zu Ende führen konnte, weil sie ständig dazwischenfuhr und jeden kleinsten Fehler, der einem unterlief, sofort korrigierte. Das führte dazu, dass ich mich gehemmt fühlte, französisch zu sprechen. Erst meine beruflichen Reisen nach Frankreich erlösten mich aus der Sprachlosigkeit. Zu Friedrich Nettesheim, dem „getriezten“ Geographielehrer, heißt es: „Nach dem Schellen eilt er fort an einen sichereren Ort.“

Mathe- und Chemielehrer Erwin Klein

Studienrat Erwin Klein hatten wir bis zum Abitur in Mathe und Chemie. Klein kam meist gedankenvoll zur Tür herein, ging zur Tafel und präsentierte uns eine Matheaufgabe, die manchmal sein noch studierender Sohn Michael mitgebracht hatte. Klein hat denjenigen, die gerne Mathe machten, viel geboten, allerdings kümmerte er sich nicht genug um die anderen, die sich mit Mathe schwer taten. Ich habe bei ihm mal eine Sechs geschrieben, weil ich, wenn ich mit einer Aufgabe nicht zurechtkam, zur nächsten überging mit dem Erfolg, dass ich am Ende keine Aufgabe richtig gelöst hatte. Er versprach mir, die Sechs zu streichen, wenn ich das nächste Mal eine Zwei schrieb. Das habe ich dann auch tatsächlich geschafft.

Auch von den Mitschülern erfahren wir manches aus der Bierzeitung: Ulrich Berndt sammelte Schmetterlinge. Gerhard Hett war ein guter Tischtennisspieler. Diethelm Brock, dessen Mutter Turnlehrerin war und der alles andere als sportlich war, „verschwendet niemals Kraft und trinkt immer Apfelsaft.“ Klaus Briel, der Geige spielte und ein starker Raucher war, begleitete uns bis in die Oberprima, wurde aber nicht zum Abitur zugelassen. Ralf Schwarting „Schwartinga“, im Unterricht der größte Störenfried, wird als Räuber dargestellt, der sich vor dem Spiegel selbst erschoss. Von Winfried Ammel, der in der Oberstufe mein Tischnachbar war, wurde gesagt: „Im Unt’richt wird er immer leiser, schon seit der Sexta ist er heiser.“ Immerhin hat er trotz seiner heiseren Stimme eine kurze Gesangsausbildung gemacht. Hans-Jürgen Kaebe fiel durch eine fast erbsengroße Warze auf der Nase auf. Rolf Ospel beherrscht das Spiel mit der Klampfe und sorgte auf der Klassenfahrt für gute Stimmung. Karl-Heinz Gepp, dessen Vater Organist in Herz-Jesu war, hat uns bis zum Abitur als temperamentvoller Klavierspieler begleitet. Rolf Henrich wird als „Bierkönig“ tituliert, denn seiner Familie gehörte der Mayener Löwenbräu. Mich hat man als armen Poeten dargestellt, weil ich als Gedichtemacher aufgefallen war. Über meinen Heimatort wurde abfällig gesagt: „Kottenheim, du edles Kaff ! Bei deinem Anblick ist man baff.“

Wolfgang Nieländer konnte sich an viele Klassenkameraden erinnern, die vor der mittleren Reife abgegangen sind. Dies waren Toni Anschau, Karl-Heinz Beck, Bertram, Gerd Bischkopf (Papierfabrik; ein Lehrer verwechselte unsere Namen „Bischbach“ und „Breitkopf“), Horst Cremer (Er ist von einem Felsen gestürzt und starb an den Folgen), Wolfgang Degen, Feddersen, Finkenstein, Geisen, Gilles, Manfred Gondorf (ihn habe ich einmal in der Koblenzerstr. besucht), Rolf Götz, Henrichs, Hoffmann, Jansen, Walter Jung, Kopp, Olaf Laubenthal, Günter Majan, Pantke, Hans Günter Rauch, Wolfgang Rech (Baumschule), Lutz Reis, Remmel, Retterath, Rybartschik, Ronald Sachse, Savelsberg, Scheuren, Sesterhenn, Rolf Stelzel, Dieter Strupp, Thier (Frisörgeschäft), Gernot van der Meulen, Helmut Velten, Walter Wößner (aus Kottenheim).

Die Obersekunda begannen wir mit einer kleineren Mannschaft. Außer den Untersekundanern, die drei Jahre später Abitur machten, waren Klaus Briel und Elmar Schreinemacher dabei und von anderen Schulen kamen hinzu: Horst Ludes von der Apotheke am St.-Veit-Park, Peter Krebs aus Koblenz und Gerhard Hammes aus Cochem. Drei weitere Kameraden, Edmund Hoffmann, Horst Schulze und Helmut Hagen, waren nur etwa ein Jahr in unserer Klasse. Mit Eintritt in die Oberstufe war ein deutlicher Wandel zu einem intensiveren und effektiveren Unterricht zu spüren. Es wurde zwar jede Gelegenheit zum Spaßmachen genutzt, jedoch ohne dass Mitarbeit, Lern- und Leistungsbereitschaft darunter gelitten hätten. Auch Humor seitens der Lehrer war willkommen. Adolf Schmidt, genannt Wurzel-Schmidt, erläuterte die Schnellwüchsigkeit des Bambus in den Tropen an folgendem Beispiel: Der Bambus sei durch eine Lokomotive hindurchgewachsen und am Schornstein wieder herausgekommen, während sie einen Halt einlegte.

Otto Reh verdanken wir drei Klassenausflüge („Studienfahrten“), die uns nach Aachen (6.-11.Sept. 1957), Würzburg (18.-21.Sept. 1958) und Hamburg (22.-29. Juni 1959) führen sollten. Das hat den Zusammenhalt in der Klasse sehr gefördert. In Aachen, wo ich später einmal studieren sollte, übernachteten wir in der Jugendherberge Colynshof. Die Besichtigung einer Tuchfabrik (Königsberger in der Jülicher Straße) wäre heute nicht mehr wiederholbar; denn die einst bedeutende Textilindustrie Aachens besteht nicht mehr. Bleibende Eindrücke hinterließen die Oper Don Carlos, die Aachener Sehenswürdigkeiten und der Ausflug nach Monschau und ins Hohe Venn.

Im Schlafsaal der Aachener Jugendherberge, v.l. Schreinemacher,
Wehlen, Kollig, Seidel, Breitbach, Gerz, Ammel, Henrich und Ludes

Im September 1958 führte uns die jährliche „Studienfahrt“ nach Würzburg, diesmal nicht per Bahn, sondern in einem mittelgroßen „Hans Dott“-Bus. Otto Reh hatte mehrere Wanderungen eingeplant, wohl um unseren Übermut einzudämmen: eine Spessart- und eine Limes-Wanderung und eine Wanderung von Kiedrich nach Eberbach und von dort nach Hattenheim.

Studienreise Sept. 1958 nach Würzburg. v.l. Laubenthal, Wehlen, Hammes, Krebs, Dötsch, Seidel, Meurer, Henrich, Gyr, Ammel, Hammer, Briel, Gerz, Gepp, Breitbach

Würzburg wurde in aller Ausführlichkeit besichtigt, besondere Stationen waren die Marienburg, die Residenz, das Käppele und das Julius Spital. Weitere Ziele, die wir ohne Bus nicht hätten ansteuern können, waren die Saalburg, Wiesbaden, Kiedrich und Kloster Eberbach.

Klaus mit Otto Reh und Karl-Heinz Gepp (Würzburg Sept. 1958)

Hamburg und Cuxhaven waren das Ziel unserer Studienfahrt im Juni 1959. Da es für uns Oberprimaner die letzte sein würde, hatte Otto Reh dafür eine ganze Woche eingeplant. Im Express-Zug nach Hamburg reiste auch eine Mädchen-Oberprima aus Ahrweiler mit, mit der wir mehrmals zusammentrafen und mit der wir in Cuxhaven einen lustig-fidelen Abschiedsabend feierten. Wir übernachteten drei Tage in der Jugendherberge St. Pauli. Es erwartete uns ein abwechslungsreiches Programm: eine Hafenrundfahrt, der Tierpark Hagenbeck, die Reeperbahn, Besichtigungen der Schlieker-Werft und der Esso-Raffinerie in Hbg.-Harburg, das Seewetteramt, eine Alsterrundfahrt, Planten un Blomen, und ein Besuch der Staatsoper, wo „Die Frau ohne Schatten“ gegeben wurde. Wir sind dann mit dem Zug nach Cuxhaven gefahren und waren dort drei Tage in einem „gemeinnützigen Frauenheim“ untergebracht. Cuxhaven mit der Kaianlage „Alte Liebe“ und dem Fischereihafen wurde erkundet. Dort haben wir frühmorgens auch eine Fischauktion miterlebt. Des Weiteren sind wir mit einem Bus zu einem Bauernhof in die Marsch gefahren und per Schiff haben wir nach Brunsbüttel übergesetzt und die große Schleuse zu Beginn des Nord-Ostsee-Kanals besichtigt.

Alsterrundfahrt: v.l. Ingo Seidel, Klaus Breitbach, Günther Gyr, Klaus Briel und Winfried Ammel

Die Obersekunda war die Jahrgangsstufe, in der wir angehende Männer das Tanzen lernen soll-ten. In der Tanzschule Volkert trafen wir auf eine entsprechende Anzahl Mädels, die ein oder zwei Jahre jünger waren als wir. Bei der Zuteilung der Damen bin ich wohl zu zögerlich gewesen und musste mit einer ausgesprochen „unhübschen“ Dame vorlieb nehmen, die übrig geblieben war. Auch die festliche Kleidung, die wir beim Abschlussball im November 1958 trugen, konnte ihr keinen Liebreiz verleihen. Nun, da wir tanzen konnten, fanden öfters Klassenfeste statt, meist in der „Traube“. Karl-Heinz Gepp am Klavier war mit seinem Temperament nicht zu überbieten. Wolfgang Wehlen spielte dazu Violine und ich Gitarre.

Karl-Heinz Gepp im Element, Klaus mit Gitarre

In der Unterprima war die Größe unserer Klasse soweit zusammengeschmolzen, dass man uns einen kleinen Klassenraum mit 20/22 Plätzen im obersten Geschoss der Schule zuweisen konnte. Inzwischen hatte nämlich die Anzahl der Schüler und Klassen so stark zugenommen, dass jeder verfügbar Raum genutzt werden musste. Der „Olymp“ war durch eine enge Wendeltreppe zu erreichen. Wir fühlten uns dort wohl. Das Herannahen der Lehrer war von oben gut zu beobachten, so dass wir rechtzeitig auf einen Disziplin vortäuschenden Modus umschalten konnten, bevor der Lehrer hereinkam.

Relligionsunterricht im „Olymp“: v.l. Studienrat Brosius, Diethelm Brock, Günther Gyr und Klaus Breitbach

Mein Nebenmann am Zweiertisch war Winfried Ammel. Er stammte aus Niedermendig. Seine Eltern hatten dort ein Schuhgeschäft. Winfried zeichnete sich dadurch aus, dass er mit einem Minimum an Aufwand das optimale Ergebnis anstrebte, wobei ihm hier und da eine gewisse Begabung beim Pfuschen zustatten kam. Jedenfalls war seine Versetzung bis zum Abitur nie gefährdet. Schon als „junger Bursch“ besuchte Winfried jedes Jahr die Bayreuther Festspiele, und wir konnten es kaum glauben, als wir erfuhren, dass Winfried für die Frankfurter über die Festspiele berichtete. Winfried studierte Musik und promovierte in Soziologie, einem Fachgebiet, in dem er, so sagt man, mit geringem Aufwand seinen Doktor machen konnte. Dass sich bei Winfried Musikverstand und Cleverness paarten, kam 1983 zu Tage. In einem ausführlichen Spiegelbericht wird Dr. Winfried Ammel, 43, Delta-Mitinhaber und Manager des Klassik-Labels “Capriccio” als derjenige gepriesen, der als erster auf den in Japan gefertigten, damals neumodischen CDs den Beethoven-Zyklus herausbrachte. Völlig neu war auch sein Produktionskonzept. Er arbeitete einerseits mit der ostdeutschen VEB Deutsche Schallplatten zusammen, die Chor, Orchester und Studio stellte, andererseits beauftragte er Westfirmen, die teure Solisten oder Dirigenten und modernste Aufnahmegerätschaft beisteuerten und meist das produktionstechnische Finish besorgten. Winfrieds Beteiligung an der Delta Music GmbH in Königsdorf bei Köln, ursprünglich ein Zwerg der Branche, wurde immer wertvoller. Irgendwann ist Winfried ausgestiegen und hat dabei einen erheblichen Gewinn gemacht.

Klassenfoto: v.l. obere Reihe: Wolfgang Nieländer, Wolfgang Dotsch, Wolfgang Wehlen, Ulrich Gerz, Günther Gyr, Karl-Heinz Gepp. Diethelm Brock, Hans-Christian Hammer, Peter Krebs (hat fotografiert); untere Reihe: Winfried Ammel, Karl Meurer, Rolf Henrich, Helmut Kollig, Gerhard Hammes; dazwischen: Werner Laubenthal, Ingo Seidel, Klaus Breitbach

Bis zum Abitur lief der Unterricht in allen Fächern weiter, jedoch unterlag nicht jedes Fach einer schriftlichen oder mündlichen Prüfung. Man wurde nur in einer der neuen Sprachen geprüft, so dass man zwischen Englisch und Französisch wählen konnte. Ich habe mich für Englisch entschieden. In den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Latein waren schriftliche Prüfungen Pflicht. In Deutsch mussten wir einen Besinnungsaufsatz schreiben und durfte zwischen drei vorgegebenen Themen wählen. In Mathematik wurde der Oberstufenstoff wie Differential- und Integralrechnung, Trigonometrie und Flächen-/Volumenberechnung abgeprüft. Statistik und Vektorenrechnung hatten wir nicht durchgenommen. Außerdem mussten wir für die mündliche Prüfung ein Wahlfach benennen. Ich habe Geschichte genommen. Die Prüfung sollte sich auf drei Themenkreise aus Antike, Mittelalter und Neuzeit beschränken, auf die ich mich ausführlich vorzubereiten hatte. Ich entschied mich für: „Die Reformen der Gracchen“, den „Investiturstreit“ und „Hitlers Aufstieg und Niedergang“. Ich hatte mich gründlich vorbereitet und sogar die fast 900 Seiten der Studie von Alan Bullock über Hitlers Tyrannei durchgeackert.

Siegreiche Handballmannschaft 1959:
v. l. oben NN, Hammer, Ludes, Breitbach, Michi Link, Gerz
unten: Hammes, Seidel, Laubenthal, Schreinemacher, Kollig

Die schriftlichen Prüfungen fanden im Februar und die mündlichen Prüfungen am 4. März 1960 statt. Mündlich wurde ich in meinem Wahlfach geprüft. Dabei kam es zu einem unerfreulichen Vorfall. Unser „Direx“ Dr. Kreuzberg wollte von mir, bezogen auf Hitler, wissen, was die Ursache seines Antisemitismus gewesen sei. Ich erklärte das damit, dass die Juden einen entscheidenden Einfluss auf den österreichischen Staat und die Wirtschaft gehabt hätten, zumal sie den Bankensektor dominierten. Viele Österreicher wollten dies nicht hinnehmen, auch Neid auf die Juden habe eine Rolle gespielt. Ich weiß nicht, ob ich mich unglücklich ausgedrückt habe. Jedenfalls fasste Kreuzberg meine Ausführungen so auf, als ob ich den Antisemitismus rechtfertige. Ich erhielt von ihm eine lautstarke Rüge. Als ich ziemlich bedröppelt den Raum verließ, kamen gleich zwei Lehrer hinter mir her, um mich zu trösten. Kreuzberg müsse etwas falsch verstanden haben. Der Vorfall zeigt, dass das Dritte Reich und der Antisemitismus zur damaligen Zeit noch hochsensible unaufgearbeitete Themen waren. Für mich war er ein traumatisches Erlebnis, denn ich träume immer wieder davon, dass ich noch einmal ins Abitur müsse.

Die frischgebackenen Abiturienten mit Klassenlehrer Reh: v.l. obere Reihen: Gerhard Hammes, Wolfgang Nieländer, Christian Hammer, Werner Laubenthal, Wolfgang Doetsch, Karl Meurer, Wolfgang Wehlen, Rolf Henrich, Günter Gyr, untere Reihe: Helmut Kollig, Ingo Seidel, Ulrich Gerz, Diethelm Brock, Otto Reh, Klaus Breitbach, Karl-Heinz Gepp, Peter Krebs, Winfried Ammel

Mein Abiturzeugnis war durchschnittlich. Es enthält sechs Gut, fünf Befriedigend und zwei Ausreichend. Die beiden Ausreichend bekam ich ausgerechnet in den Sprachen Englisch und Französisch, deren Anwendung in Wort und Schrift für meine spätere berufliche Tätigkeit – neben dem Italienischen – unverzichtbar war. Damals wurden auf den Gymnasien nicht so gute Noten erteilt wie heute, vielleicht auch deshalb, weil es auf den Hochschulen noch keinen Numerus Clausus gab.
Die Verabschiedung der 39 Abiturienten fand samstags um 11 Uhr im 600-Platz Saal des 1987 abgerissenen Anker-Theaters in der Bachstraße statt. Der Festakt ging über den üblichen Rahmen hinaus, weil das Gymnasium auf 50 Jahre Abitur zurückblicken konnte und wir der bisher größte Abiturjahrgang waren. Unsere Jungen-Oberprima A umfasste 17 Abiturienten (Klassenlehrer Otto Reh) und die gemischte Oberprima B 22 (Klassenlehrer Hoersch), davon 16 Mädchen und 6 Jungen. Wolfgang Wehlen hielt die Dankesrede der Abiturientia und beteiligte sich mit Karl-Heinz Gepp und Winfried Ammel auch an der musikalischen Gestaltung. Am Abend des gleichen Tages fand im Sterngarten-Saal in der Koblenzer Straße, der 1970 abgerissen wurde, ein „Gesellschaftlicher Abend“ mit Ehrengästen und „Ehemaligen“ statt. Wir Abiturienten, die wir die „Bürde“ der Schule abgeworfen hatten und einem neuen Lebensabschnitt entgegengingen, konnten befreit loslegen und brachten lustige Beiträge über den Schulalltag und die Lehrer wie z.B. „Püppchen, du bist mein Augenstern“, eine so gut auf Lise-Lotte Holbeck passende Parodie.

Den Interessen und Möglichkeiten entsprechend waren die Berufsziele unterschiedlich. Über Wolfgang Nieländer und Winfried Ammel habe ich bereits berichtet. Diethelm Brock und überraschenderweise auch Karl-Heinz Gepp, Sohn des Organisten der Herz-Jesu-Kirche, wollten katholische Geistliche werden und begannen in Trier mit dem Studium der Theologie und Philosophie. Diethelm wurde am 1.8.1965 zum Priester geweiht. Nach Stationen als Kaplan in Trier-Herz-Jesu und Sulzbach wurde er 1971 als Pastor in Ehrang-Christi Himmelfahrt eingeführt. Am 21.8.1975 ist er während eines Urlaubs in Flüeli/Schweiz umgekommen, als er bei einer Wanderung von einem Unwetter überrascht wurde. Karl-Heinz Gepp, der uns als lebenslustiger Klavier und Orgel spielen-der Kamerad in Erinnerung ist, hat sein Theologiestudium abgebrochen und ließ sich in Gau-Algesheim als Lehrer nieder und ist dort um 2016 verstorben. Wolfgang Dötsch schnitt bei den Klassenarbeiten immer mit am besten ab, im Mündlichen dagegen war er eher zurückhaltend. Er studierte Lehramt und kehrte als Mathematik-, Informatik- und Physiklehrer aufs Mayener Gymnasium zurück. Vier weitere Klassenkameraden übten einen Lehrberuf aus: Gerhard Hammes als Hauptschullehrer, Helmut Kollig als Realschullehrer sowie Karl Meurer und Wolfgang Wehlen. Die beiden letzteren waren promoviert und unterrichteten an Gymnasien in Bonn bzw. München; sie verstarben am 13.5.2002 bzw. 10.1.2009. Zwei meiner Klassenkameraden, Ulrich Gerz und Günther Gyr studierten wie ich an der TH Aachen und traten auch in meine CV-Verbindung, die KdStV Bergland, ein. Ulrich studierte Bauingenieurwesen und brachte es sogar zum Professor. Er verstarb, viel zu früh, am 26.9.1997. Günther diplomierte in Elektrotechnik. Er war sehr begabt und machte seinen Weg bei Siemens in München. Christian Hammer studierte Jura und war zuletzt Leitender Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Köln. Rolf Henrich übernahm die technische Leitung der im Familienbesitz befindliche Löwenbrauerei Max Graessl Mayen, nachdem er in Weihenstephan als Braumeister diplomiert und promoviert hatte. Trotz aller Bemühungen fiel die kleine Brauerei dem Brauereisterben zum Opfer. Sie wurde im Jahre 2000 geschlossen. Rolf erlitt einen Schlaganfall, der zu Sprach- und Bewegungseinschränkungen führte. Er verstarb am 11.09.2015. Peter Krebs stammte aus einem Möbel-Geschäft aus Koblenz und hat dieses weitergeführt. Werner Laubenthal wurde bei der Bundesbahn tätig. Ingo Seidel studierte Physik und lebt in Österreich. Was mich betrifft: Ich studierte in Aachen Chemie, promovierte in Erlangen, war über ein Jahrzehnt Geschäftsführer einer Trierer Sektkellerei und erwarb danach eine Druckfarbenfabrik, die heute in Luxemburg angesiedelt ist und ihre Produkte in alle Welt vertreibt.

Unsere Klasse hat sich auch später öfters in Mayen und Umgebung getroffen; häufig war auch unser Klassenlehrer dabei. Es machte einfach Freude sich wiederzusehen und in Erinnerungen zu schwelgen. Spontan fallen mir die Treffen zum 40-jährigen Abitur im Oktober 2000 mit Stadtbesichtigung und zum 50-jährigen Abitur am 30.5.2010 in der Hammes-Mühle mit einem Ausflug nach Monreal ein. Leider sind von einst 17 schon 7 Klassenkameraden verstorben (2018). Zunehmendes Alter und gesundheitliche Einschränkungen sind wohl schuld daran, dass die Tradition der regelmäßigen Zusammenkünfte ins Stocken geraten ist. Unser Klassenlehrer Otto Reh wurde 95 Jahre alt. Er wurde am 27. März 2018 beigesetzt. Fünf Klassenkameraden unserer dezimierten Klasse, Wolfgang Doetsch, Christian Hammer, Gerhard Hammes, Peter Krebs und ich nahmen an der Trauerfeier teil.


Friedhelm von der Marwitz (Klasse OIb) Erinnerungen zum zum 50-jährigen Abitur 1964 – 2014

Als die heutigen Jubilare  Ostern 1955 als Sextaner in das alte Gymnasium in der St. Veitstraße in Mayen einzogen, hatte Direktor Kreuzberg bereits ein recht modernes,  staatliches, neusprachliches Gymnasium aufgezogen.
Zum Beispiel wurde der Französischunterricht von Frau Meshing ausschließlich auf Französisch abgehalten, beim Unterricht in Kunsterziehung in der kleinen Baracke auf dem Schulhof bei Herrn Dieck (Ais) handelte sich in weiten Strecken um die Ausübung moderner Fingermalerei und des Erlernens der Kunsthandwerke durch Anfertigung von Mosaiken, Holzskulpturen, Bleiverglasungen und Ähnlichem.
Der Musikunterricht bei Musikdirektor Will hatte Blockflöte, Chorgesang und Opernbesuche in Koblenz zum Inhalt, und nach dem gemeinsamen Lied “wenn die bunten Fahnen wehen” entließ der Direktor (Direx) die Gymnasiasten mit den salbungsvollen Worten, “und denkt daran, dass ihr Schüler einer höheren Lehranstalt seid”, in die großen Sommerferien. Die naturwissenschaftlichen Fächer Physik (Seidel), Chemie (Klein), Biologie (Schönwasser, Belle eau), und Erdkunde (Klimatologie bei Frau Holbeck, dem Püppchen) waren gewürzt durch Versuche, eigene Beobachtung und Erfahrungen, aus denen Gesetzmäßigkeiten und Formeln hergeleitet wurden, den Grundlagen wissenschaftlichen Denkens und Handelns.
Natürlich ging es nicht ohne Zwang und Pauken, Angst vor schlechten Noten und Nichtversetzung ab, denn spielerisch, selbstständig und freiwillig lernte man nicht mathematische Formeln, lateinische und französische Vokabeln und schwierige lateinische Satzkonstruktionen (Grimsehl).
Die Stadt Mayen lag in Trümmern, alle waren arm, und die rund 360 Schülerinnen und Schüler setzten sich aus Einheimischen und Flüchtlingskindern bunt zusammen. Mayen war noch von seinen Stadtbauern ländlich geprägt, und Hochzeitskutsche, Leichenwagen, Müllwagen, Kartoffel- und Kohlekarren sowie Ackerwagen wurden noch von Pferden und Ochsen gezogen.
An Vergnügungen hatten wir im Winter Schlittenfahren auf Thomas’ Wiese, Schlittschuhlaufen auf dem Weiher (heute Kartonagefabrik Weig), Skifahren im Eiterbachtal, im Sommer Schwimmstunde im alten Schwimmbad Reifsmühle und später Tanzstunde (Volkert) und Tanztee im Sterngarten. Im Nettetal und in der Weiersbach (Südbahnhof) standen Behelfsheime für die Ausgebombten und der Lukasmarkt war geprägt vom Handel mit Landmaschinen und Vieh. Die meisten Arbeitsplätze befanden sich auf dem Grubenfeld, beim Hausbau und in den Schiefergruben.
Als sich die heutigen Jubilare und damaligen Abiturienten am 24. Februar 1964 zum Empfang der Reifezeugnisse im Gymnasium auf dem Knüppchen einfanden, war es mit -27°C bitter kalt. Beim Vergleich mit der heutigen Temperatur von +7°C macht das immerhin einen Unterschied von 20° aus. Die Klimaerwärmung in einem halben Jahrhundert ist also mehr als offensichtlich.
Ein neues, modernes Schulgebäude war auf dem Knüppchen entstanden, Kraftfahrzeuge dominierten das Straßenbild und die Baulücken und Trümmergrundstücke waren wieder bebaut, die Behelfsheime verschwunden und nach dem Erhard’schen Motto, “Wohlstand für alle”, hatte das Wirtschaftswunder seinen Einzug gehalten.
Das Hämmern auf dem Grubenfeld war für immer verstummt und war durch Betonwerke, Teppichfabrik, Hutfabrik, Kartonagefabrik und andere moderne Produktionsstätten ersetzt worden. Kleine Läden waren Supermärkten gewichen. Nur die Schiefergruben überlebten. Rationalisierung, Mechanisierung und Motorisierung hatten alle Bereiche erfasst.
Das hohe Niveau des damaligen Abiturs hatte das Rüstzeug für ein späteres Universitätsstudium geliefert oder für einen guten Einstieg  in weitere Ausbildung und für gute Chancen auf dem wachsenden Arbeitsmarkt gesorgt.


Erich Birkelbach und Wolfgang Redwanz, beide aus der Klasse OIa,

erinnerten  daran, dass man ja die erste Abiturientia auf dem Knüppchen, in der “Akropolis”, war. Man hatte reichlich Hand angelegt beim Umzug und Tische, Bänke und Stühle in Möbelwagen transportiert. Oberstudiendirektor Dr. Kreuzberg spendierte gerne das Bier zu diesem Einsatz. Es waren auch überwiegend Schüler aus der “A”, die 1962 die erste Schülerzeitung gegründet hatten, die “Akropolis”.
Mit Johannes Schmitz, ihrem Klassenleiter, war die Verbindung nie abgerissen. Mit ihm gemeinsam hatte es etliche Klassentreffen gegeben. Die mit ihm durchgeführten Theaterfahrten nach Koblenz bleiben unvergesslich, haben sie doch vielen die Welt des Theaters erschlossen. Auch die Erinnerung  an die Hüttenwanderung im Rätikon mit “Gipfeljonny” bleibt lebendig.
Inzwischen haben die Angehörigen des Abiturjahrgangs 1964 bereits 7 Jahrzehnte zurückgelegt. Es sind die letzten Schülerinnen und Schüler des Mayener Gymnasiums, die alle noch während des Krieges geboren sind.
Im Vorfeld war die Idee entstanden, erstmals ein Treffen von “A” und “B” gemeinsam zu planen. Frau Studiendirektorin Tersch war hilfreiche Ansprechpartnerin für die Vorbereitung und das Treffen in der Schule. Will man ein Fazit des Jubiläumstreffens ziehen, so werden zwei Highlights in Erinnerung bleiben: Da ist zum einen der freundliche Empfang der ersten Abiturientia im damaligen Neubau des Gymnasiums durch den Schulleiter Prof. Dr. Edzard Visser sowie den Bürgermeister der Stadt Mayen Rolf Schumacher, eine Führung durch das Schulgebäude mit Studiendirektor Jüngermann und ein Sektempfang, betreut von zwei freundlichen Schülerinnen der Abschlussklasse. Da ist zum anderen das gemütliche, gemeinsame bilaterale Zusammensein beider Parallelklassen in einem Café.  Danach trennten sich die Wege. Die “A” hat im ‘Parkhotel am Schloss’ Quartier bezogen und die “B” den Abend in der Stadt gestaltet.­
Einmütige Meinung nach einem sehr gelungenen Abiturjubiläum war, man wolle sich zukünftig in kürzeren Zeitabständen wiedersehen, etwa alle zwei Jahre.­